Fast vergallopiert

Was war das doch gestern für ein Fußballerlebnis! Nach gefühlt einem halben Jahr Heimspielpause endlich wieder in der Red-Bull-Arena. So richtig groß waren die Erwartungen aber vor dem Spiel trotz (bzw. aus der Geschichte gelernt gerade wegen) des Tabellenletzten als Gegner nicht.

Also schön Platz genommen neben der Medientribüne und schaun mer mal. Der Anfang war durchaus so, dass ein wenig Hoffnung aufkeimte, es könnte ein erfolgreicher Tag werden. Deutliche Überlegenheit der Rasenballer gegen oft überfordert wirkende Zebras. Und dann die Szene: Selke bekommt den Ball, umspielt den Gastkeeper, haut das Ding ins Netz. Alles jubelt und irgendwann keimt da ein ungutes Gefühl auf. Abseits?! Niemals. Aus Stadionsicht jedenfalls nicht. Aber gut, wozu habe ich die Monitore neben mir. Aber auch da wird deutlich, das war kein Abseits. Somit also das reguläre 1:0 nich gegeben und ein wenig Ernüchterung.

Dass dann die Duisburger in Führung gingen, war völlig verwirrend. Und ich hatte das Tor nicht mal mitbekommen. Der Brezelmann hatte mich just abgelenkt. Aber: Monitore, Wiederholungen, Kopfschütteln.

Da war es dann natürlich umso erfreulicher, als Yussi das unglaublich wichtige 1:1 schießt. Muss man ja schon mal sagen, Poulsen hat gestern richtig Spaß gemacht, nachdem er zuletzt häufig eher glücklos agierte.

Halbzeitstand 1:1, darauf konnte man aufbauen. Nach Wiederanpfiff dann aber eine Betonwand vorm Meidericher Tor. Schön anzusehen war das nicht. Und dann verunglückt auch noch eine Ecke und der MSV stürmt freudig aufs Leipziger Tor zu. Coltorti chancenlos beim 1:2. Und die Stimmung im Stadion (und auch bei Twitter) eher im Keller. Leipzig wirkte jetzt erstmal, als hätten sie alles vergessen, was trainiert wurde, fielen förmlich in sich zusammen.

Zu diesem Zeitpunkt erreichte mich eine unglaublich aufbauende SMS:

Hab vorhin schon gesagt, dass es nicht unentschieden ausgeht, einer von beiden luck’t schon noch einen rein. Naja, und dann wars halt der MSV.

Doch dann ging ein Wahnsinn los, der nicht mehr zu erwarten war. Zunächst der Ausgleich. Da hatte ich noch nicht mal eine Antwort tippen können. Also gelöscht und direkt geschrieben, dass doch alles super ist, immerhin Unentschieden.

Daraufhin die nächste SMS:

Wenn sie beim Unentschieden wenigstens vorne weg und nicht immer hinter her laufen würden!

Und zack! 3:2! Kaum antworte ich, dass wir doch vorne liegen, was denn daran nun so schlimm sei (ich muss gestehen, dass mit eiskalten Fingern eine SMS länger als normal dauerte), fällt auch schon das 4:2 und der Kessel brennt! Eigentlich nur zu vergleichen mit der Stimmung nach dem 2:1-Treffer von Coltorti gegen Darmstadt in der Rückrunde der letzten Saison.

Und plötzlich ganz andere Töne in der SMS:

Da hat sich das Geld für die Eintrittskarte doch noch gelohnt, jetzt bin ich etwas neidisch.

Zurecht neidisch! So euphorisiert wurden die Fans lange nicht entlassen.

Somit wurde innerhalb von zehn Minuten aus einem vermeintlich schlecht gelaunten Nachmittag ein richtig erfreulicher Nachmittag, der auch am Abend und selbst jetzt am nächsten Tag noch nachhallt. Da kann man sich dann auch mal dazu hinreißen lassen, zu sagen: So steigt man auf! Aber bitte: Ich will nicht zur Dauerkarte eine Herztropfenflatrate dazu kaufen müssen.

Und für alle ohne Stadionbesuch oder TV-Gerät, hier noch mal die Zusammenfassung im Bild.

About The Author

Stein

Kam spät zum Fußball, versuchte sich dann im Texte verfassen bei den Männern. Mittlerweile Hauptaugenmerk auf den RB Frauen in Text- und vor allem Bildform. Findet, dass Frauenfußball allgemein sträflich vernachlässigt wird. Da muss sich was ändern!

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