Herbstmeister: Ein Rückblick auf die Hinrunde der #RBLFrauen

Regionalliga Nordost Frauen: 1. FFV Erfurt -vs- RB Leipzig

Hinter der Mannschaft von Katja Greulich liegt eine äußerst erfolgreiche Hinrunde in der Regionalliga Nord-Ost. Ohne Niederlage stehen die Frauen von RB Leipzig  mit komfortablem Vorsprung auf Platz eins in der Tabelle und sichern sich damit die Herbstmeisterschaft. Öffentlich will noch niemand vom Aufstieg in Liga zwei sprechen, andererseits muss nach den bisherigen Ergebnissen eigentlich genau der das Ziel sein.

Punktuelle Verstärkung und ein namhafter Zugang

In der Sommerpause wurde das Team verstärkt. Mit Johanna Kaiser (TSG Hoffenheim) kam eine Defensivspielerin, die wieder näher an der Heimat sein wollte. Fuko Takahasi kam vom MSV Duisburg, wo sie zumeist in der zweiten Mannschaft spielte. Vom Ligakonkurrenten Magdeburger FFC wechselte Lena Güldenpfennig nach Leipzig, ist aber bisher noch nicht die erhoffte Verstärkung. Meist kommt sie momentan in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Besondere Aufmerksamkeit erhielt allerdings die Verpflichtung von Anja Mittag (FC Rosengård). Die ehemalige Nationalspielerin, die so ziemlich alles gewonnen hat, was es im Frauenfußball zu gewinnen gibt, war eine beeindruckende Überraschung. Neben ihrer Spielerkarriere übernimmt sie auch Tätigkeiten im Trainerteam, hat also eine Doppelrolle, in der sie die Spielerinnen auf und neben dem Platz unterstützen soll.

Die türkische Nationalspielerin Busem Seker vom SV Henstedt-Ulzburg wurde vor der Saison ebenso als Neuverpflichtung präsentiert, stand allerdings nie im Kader, weil die Sehnsucht nach der Heimat wohl zu groß war. In der offiziellen Liste der Spielerinnen tauchte sie nicht auf. Hinzu kamen aus dem Nachwuchs Stella Busse im Tor, Lucy Hüllmann und Josefine Schaller im Abwehrverbund, Larissa Schreiber sowie Emily Reißmann im Angriff. Letztere war im Sommer mit der deutschen U16 in Schweden erfolgreich, wo man den Nordic Cup gewann.

Außerdem neu im Team ist auch noch Stina Hoenke, die allerdings noch keine Minute für den Verein spielen konnte. Zunächst brach sie sich während der Saisonvorbereitung einen Wirbelfortsatz, nachdem der Bruch ausgeheilt war, stieß sie im zweiten Mannschaftstraining unglücklich mit Lisa Reichenbach zusammen und brach sich eine Rippe. Aber immerhin: Sie ist jetzt quasi der Terrence Boyd der Frauenmannschaft. Spielt nie, verbreitet aber gute Stimmung!

Erfolgreicher Start in die Saison

Die Saison startete für die Mädels erstmals mit der Teilnahme am DFB-Pokal der Frauen. Am 4. August empfing man mit dem BV Cloppenburg einen Zweitligisten und damit nicht gerade das leichteste Los. Wer dachte, dass sich die Mädels schwer tun würden, sah sich schon nach vier Minuten widerlegt. Einen Elfmeter verwandelte die Kapitänin Marie-Luise Herrmann souverän zum 1:0. Dieser Treffer brachte Sicherheit und Selbstvertrauen und so kamen die Cloppenburgerinnen selbst zu keinem Treffer. Dennoch stand es nach 22 Minuten 1:1. Chiara Benedetto, sonst sichere Bank in der Abwehr, hatte den Ball ins eigene Gehäuse befördert. Doch schon in der 41. Minuten bügelte sie mit dem Treffer zum 2:1 ihren Fehler aus. Welchen Druck sie sich nach dem Eigentor selbst machte, zeigte der Jubel nach dem neuerlichen Führungstreffer, der gleichzeitig auch den Halbzeitstand bedeutete.

In der zweiten Halbzeit spielten sich die RB Frauen dann jegliche Unsicherheit aus den Beinen und legten durch Lisa Reichenbach und Anja Mittag das 3:1 und 4:1 nach, so dass nach gut einer Stunde der Deckel quasi drauf war. Erst in der 90. Minute gelang den Gästen der erste und einzige eigene Treffer der Partie, der zugleich den Endstand von 4:2 darstellte. Damit waren die Mädels gleich in der ersten DFB-Pokal-Saison gegen einen höherklassigen Gegner eine Runde weiter. Eine Initialzündung für die kommende Regionalligasaison, könnte man sagen.

Keine Zweifel zum Ligastart

Am 18. August startete dann auch endlich der Ligabetrieb und der Spielplan hatte ein Herz für die Gäste. Bekanntermaßen ist die Freude bei Bischofswerda nie sonderlich groß, wenn es gegen RB geht. Die Rasenballerinas gaben sich erwartungsgemäß keine Blöße und spielten den Gegner mit 5:0 schwindelig. Auch das Gastspiel eine Woche später bei Erzgebirge Aue entwickelte sich zur Torflut und so fuhr man nach 90 Minuten mit drei Punkten und neun geschossenen Toren wieder nach Hause. Die Konkurrenz aus Berlin (Viktoria und Union) hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Punkte liegen lassen.

Unglückliches Remis

Am Spieltag drei stand der erste Wirkliche Prüfstein auf dem Programm. Union Berlin war zu Gast in der Messestadt. Letzte Saison waren die Spiele gegen die Hauptstädterinnen nicht zwangsläufig Garant für freudige Ergebnisse. Diesmal allerdings hatte man die Eisernen Ladys gut im Griff, auch wenn sich beide Seiten schwer damit taten, gute Abschlüsse zu generieren. Nach 85 Minuten waren die Unioner nur noch zu zehnt auf dem Platz. Für ein Handspiel auf der Torlinie gab es Rot für die Gäste und Elfer für die RB Frauen. Kapitänin Marie-Luise Herrmann trat an. Kurz vor Schluss der Partie den Siegtreffer auf dem Fuß. Aber leider versagten die Nerven und der Ball landete nicht im Netz. Das finale 0:0 fühlte sich deutlich nach einer Niederlage an.

Nächste Pokalsensation?

Anfang September stand zunächst die zweite Runde im DFB-Pokal an. Und warum einfach, wenn das Los auch schwer kann? Eben! Somit gastierte der 1. FFC Frankfurt am Cottaweg. Erstligist. Mehrfacher Meister. Laufkundschaft ist anders. Die Rollen waren also klar verteilt: RB der Underdog, FFC der haushohe Favorit. Natürlich hoffte jeder auf die eigenen Pokalgesetze, aber eigentlich war eher die Frage, wie hoch die Niederlage ausfallen würde und nicht, ob es eine Niederlage zu Buche stünde.

Umso erstaunlicher dann das Spiel. Die Frankfurterinnen taten sich schwer und Leipzig hielt vor knapp 1000 Zuschauern gut mit. Umso ärgerlicher, dass nach zehn Minuten das 1:0 für die Gäste fiel. Es war die einzige Chance in der gesamten ersten Halbzeit. Und die wurde genutzt. Danach hatte RB noch einige Chancen, auch in der zweiten Halbzeit. Zudem wurde ein Handspiel im eigenen Strafraum der Frankfurterinnen nicht gepfiffen. Am Ende blieb es beim 0:1. Aber trotzdem fühlte sich die Niederlage wie ein Sieg an. Großer Kampf, klasse Leistung und nur knapp an der Sensation vorbei geschrammt.

Dominatio dominatio

Die Spieltage vier bis sechs sollten den Anspruch an die Saison deutlich machen. Immer klarer war zu erkennen, dass die Mannschaft von Katja Greulich das Spielprinzip verinnerlicht hat und die Abläufe passen. So fertigte man den Stadtrivalen Eintracht Leipzig-Süd mal eben mit 6:0 in Connewitz ab. Wobei der Klassenunterschied nicht so groß war, wie das Ergebnis glauben lässt. Streckenweise taten sich die RBLFrauen ziemlich schwer. Dennoch: Weiße Weste und was fürs Torverhältnis getan. Was will man mehr?

Das folgende Heimspiel gegen die Zweitvertretung von USV Jena wurde mit 3:0 deutlich gewonnen. Die erste Halbzeit war noch torlos geblieben, doch die Ansprache in der Kabine zur Pause hatte scheinbar ihre Wirkung nicht verfehlt.

Als nächstes ging es nun zu einem weiteren großen Hauptgegner in der Liga. Viktoria Berlin. Letzte Saison neben Union das Maß der Dinge. Und die Partie ging aus Leipziger Sicht so ungünstig wie nur irgend möglich los. Bereits nach vier Minuten führten die Gastgeberinnen mit 1:0. Aber die Mädels steckten nicht auf und kurz vor der Halbzeitpause versenkte Johanna Kaiser den Ball zum Ausgleich im Netz.

Die zweite Halbzeit bot weitere Chancen, es blieb aber beim Siegtreffer von Anja Mittag zum 2:1 in der 59. Minute. Damit bauten die RB Leipzig Frauen die Tabellenführung aus und mit vier Punkten aus den Berlin-Spielen konnte man dann doch schon mal auch an höhere Ziele denken. Wäre da nur nicht Phoenix auch ordentlich unterwegs.

Einstieg im Landespokal

Nachdem der DFB-Pokal für die Frauen bereits sein Ende gefunden hatte, ging es nun im Sachsenpokal weiter. Erster Gegner war die SpVgg Dresden-Löbtau. Und aus Pietätsgründen sollten wir hier den Mantel des Schweigens über das Spiel hüllen. Nur so viel: 21:0.

Gimme five!

An den Spieltagen sieben und acht ging es wiederum torreich zu. Zunächst gastierten die RB Frauen beim 1. FFV Erfurt. Durch Larissa Schreiber gingen die Gäste bereits nach sechs Minuten in Führung, taten sich in der Folge allerdings etwas schwer. Und so fingen sie sich kurz vorm Pausenpfiff das 1:1 durch aufopferungsvoll kämpfende Gastgeberinnen. Doch deren Freude wurde mit Wiederanpfiff sofort gedämpft, indem Lea Mauly den alten Abstand direkt wieder herstellte. In der zweiten Halbzeit legten dann Anja Mittag, erneut Lea Mauly und nochmals Anja Mittag bis zum 5:1 nach und so fuhr man aus der Thüringischen Hauptstadt mit drei Punkten nach Hause.

Auch das nächste Heimspiel ging wieder deutlich mit 5:0 an RB. Wobei man sich gegen Blau-Weiß Hohen Neuendorf in der ersten Halbzeit wieder etwas schwer tat und nur mit einem 1:0 in die Kabine ging. Dass der Sieg am Ende so deutlich war, zeigt auch schön, dass Katja Greulichs Mädels immer noch mal eine Schippe nachlegen können und in Sachen Kondition den Gegnerinnen häufig überlegen sind.

Stadtderby oder der große Rivale

Spieltag neun hielt das lange erwartete Derby gegen Phoenix Leipzig bereit. Die Aufsteigerinnen aus der Landesliga hatten bis zu diesem Tag beachtlich oben mitgehalten und nur am Spieltag vorher gegen Viktoria das erste blaue Auge erhalten. Noch im Mai war die Begegnung zwischen RB und Phoenix im Pokalfinale eine enge Kiste, die RB mit jeder Menge Moral und Kampf für sich entscheiden konnte.

Dass diesmal am Ende ein 6:1 für RB stehen würde, konnte man vorher nicht ahnen. Und doch waren die Phoenixe an diesem Tag völlig flügellahm und lagen bereits zur Pause mit 3:0 zurück. In der 75. Minute stand es 6:0 für RB und die Gastgeberinnen fanden keinen Weg zum Tor. Da musste schon ein einziger Abstimmungsfehler zwischen Gina Schüller und Madlen Frank vom Laster fallen, um immerhin den Ehrentreffer zu erzielen. Spätestens jetzt war klar: Spitzenreiter! Und da geht diese Saison richtig was.

Selbst schwach noch stark

Ende Oktober ging es zum Donnerstag im Achtelfinale des Landespokals nach Chemnitz zu den FC Frauen. Eine Klasse tiefer auf dem Papier, mindestens zwei in der Realität, machten die Mädels den Sack dort schnell zu und schossen die Gastgeberinnen mit 9:0 ab.

Bereits drei Tage später stand mit dem Magdeburger FFC ein Gast auf dem Plan, der durchaus Herausforderung ist. Man merkte den RB Frauen ein wenig an, dass ihnen das Pokalspiel noch in den Beinen und Köpfen hing. Lange Zeit taten sie sich schwer, Zugriff aufs Spiel zu bekommen, führten vor der Pause dann aber trotzdem glücklich 1:0. In der zweiten Halbzeit traten sie deutlich dominanter auf, trafen aber das Tor nicht. Und am Ende gewannen sie mit 3:0 wobei die Tore zu einem Zeitpunkt fielen, wo Magdeburg klar am Drücker war. Dass die Partie kein Wattepusten war, sah man auch daran, dass es für Katja Greulich eine gelbe Karte wegen Meckerns setzte. Zur Erheiterung aller Anwenden.

Den krönenden Abschluss der Hinrunde der Regionalliga bildete die Auswärtsfahrt zum Steglitzer FC Stern. Hier fanden die Mädels wieder zurück zu ihrem üblichen Spiel und hatten bereits nach 33 Minuten mit 4:0 den Sack zu gemacht. Am Ende stand es 6:0 und der Herbstmeistertitel mit 31 Punkten bei sechs Punkten Vorsprung auf Union und acht Punkten auf Viktoria Berlin. Souverän bringt es ganz gut auf den Punkt. Nicht auszumalen, wäre der Elfer gegen Union im Netz gelandet – es wäre (vielleicht) die perfekte Hinrunde gewesen.

Qualifikation für Halbfinale

Eine weitere Pflichtaufgabe stand den Mädels aber doch noch bevor: Gegen SG LVB sollte der Einzug ins Halbfinale des Landespokals klar gemacht werden. Mit 6:0 wurde dies auch trotz einer B-Elf ungefährdet erreicht und so steht am 3. März 2020 eine Partie RB Leipzig Frauen II gegen die RB Leipzig Frauen ins Haus. Das wird ein Spaß! Und wenn nichts gänzlich außergewöhnliches passiert, gibt es am 1. Mai die Wiederholung des Pokalfinales von 2019: RB gegen Phoenix Leipzig.

Ausblick

Aktuell stellen die RB Frauen mit 50 geschossenen Toren den besten Angriff der Liga. Und bei gerade mal drei(!) Gegentreffern die beste Defensive. Und das soll auch so bleiben. Bis zur Winterpause heißt es nun noch zweimal Ligaalltag für die Mädels. Am 24.11. geht es zum Rückrundenauftakt nach Bischofswerda, am 1.12., zum ersten Advent, gastiert Aue am Cottaweg. Alles andere als sechs Punkte aus den beiden Spielen wären nach dem bisherigen Saisonverlauf eine Überraschung.

Danach heißt es dann Kraft tanken für den Rest der Rückrunde und das Ziel Meisterschaft fest im Blick behalten. Wenn es damit klappt, kann man auch langsam anfangen, von einem Aufstieg in die zweite Liga zu träumen. Verdient hätten es sich die Mädels allemal. Und wenn die Rückrunde der letzten Saison als Schablone dient, wird die restliche Saison noch viel besser als die bisherige.

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vonStein

Kam spät zum Fußball, versuchte sich dann im Texte verfassen bei den Männern. Mittlerweile Hauptaugenmerk auf den RB Frauen in Text- und vor allem Bildform. Findet, dass Frauenfußball allgemein sträflich vernachlässigt wird. Da muss sich was ändern!

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[…] auch nach der Pause so weiter, dürften die #RBLFrauen2 wohl fest die Daumen drücken, dass die erste Mannschaft den Aufstieg in Liga zwei klar macht, um dann nächste Saison deren Platz in der Regionalliga Nord-Ost […]

[…] geht die Mannschaft von Katja Greulich zufrieden in die Winterpause. Die Rückrunde fängt so an, wie die Hinrunde aufgehört hat. Mit acht Punkten Vorsprung auf Platz zwei und einer Tordifferenz von +64 lassen sich die […]

[…] Für die erste Mannschaft geht es dann 13 Uhr auf dem Rasenplatz der Sportschule Egidius Braun in Abtnaundorf los. Nur einen Steinwurf entfernt vom Gontardweg können also alle geschlossen von der zweiten zur ersten Mannschaft wechseln und dort noch mal für Stimmung sorgen. Mit Erzgebirge Aue empfangen die Mädels die Schießbude der Liga. 56 Gegentore haben diese bereits gefangen. Die RB Frauen haben dagegen bereits 58 Tore geschossen. Klingt nach einer einseitigen und torreichen Partie. Und nach festigen der Tabellenführung nach der Herbstmeisterschaft. […]

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